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Theaterplatz 14

Text: Antje Hainz - Architekturbüro Hainz & Hainz Meißen

Dieser als "Sonne" bekannte Renaissancebau von 1561 war 1852 der erste Gasthof mit Saalbetrieb in Meißen und wurde seit 1918 als Kino genutzt.
Das seit 1991 leerstehende Objekt fand im Zuge des Umbaus des nebenstehenden Kinos 1999 leider keine Beachtung, lediglich das Dach wurde mit Wellbitumenplatten notgesichert. Noch immer erhalten sind schön profilierte Holzbalkendecken, verschiedene Detailausformungen mit Wandschränken und der aus der Erbauungszeit stammende Dachstuhl.

Bildergalerie

Theaterplatz 14, Haustafel der Sonne (2006) Theaterplatz 14, bis 1999 vorhandene Außentreppe zum Renaissanceportal Theaterplatz 14 (2015) Theaterplatz 14, Gasthofnutzung Theaterplatz 14, historische Ansicht Theater Theaterplatz 14, historische Innenraumsituation Theaterplatz 14, seit 1999 abgebrochene Außentreppe zum Reniassanceportal Theaterplatz 14

Informationen

Geschichtliches, denkmalpflegerische Werte+ Besonderheiten:
Der heutige Theaterplatz war zur Zeit der Gründung der Bürgerstadt Meißen (um 1200) noch das Becken des Meißner Elbhafens, der 968 urkundlich erwähnt ist. Das an das Hafenbecken unmittelbar angrenzende Festland unterstand dem Bischof. An der Stelle des heute noch stehenden Baukörpers des Gasthofs zur Goldenen Sonne befand sich, nach allem was wir aus späteren Quellen wissen, das Bischöfliche Brauhaus. Die dort vorhandenen, im Höhenniveau versetzten Kellergewölbe können von diesem Brauhaus stammen, sie gehen auf jeden Fall auf einen Vorgängerbau zurück. Der heute als "Goldene Sonne" bezeichnete Bau ist nur noch der Rest eines ehemals größeren Komplexes. Dieser bestand neben dem Renaissancebau, dem dahinter befindlichen barocken Anbau mit unterschiedlichen Geschossebenen und dem daran im rechten Winkel anschließenden Wirtschaftsgebäude, aus einem großen Innenhof und mindestens drei weiteren, kleineren Gebäuden. Der auf den ältesten Fotos noch abgebildete Baum an der Freitreppe zum Hauptgebäude ist bereits auf dem Stadtplan von 1830 eingezeichnet.
Das Hauptgebäude stammt nach der Inschrift am Sitznischenportal in seiner überkommen Form von 1561. Im 16. Jahrhundert besaß der Ratsherr Jacob Stolle diesen Gasthof, damals noch "Gasthof beim Gewandhause" genannt. 1597 wird an dieser Stelle ein "Tanzhaus" erwähnt. 1610 erfolgte die Vergrößerung durch Ankauf eines Nachbargrundstücks und nach einem Brand 1705 wurde ein Bau neu errichtet. Möglicherweise handelte es sich um das ehemals rechts daneben befindliche Gebäude. Am 1.1.1852 eröffnete man im Gasthof zur Goldenen Sonne einen größeren Saal, der durch Vereinigung von drei Räumen und Hinzunahme des Obergeschosses entstanden war. Damit war die Sonne der Erste Gasthof mit Saalbetrieb, der sich zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens entwickelte. Das zeigt auch eine Darstellung der Innenansicht dieses Saales bei der Feier der Scheibenschützen zur Königswürde des Verlegers F. A. Brück 1852.
1898/99 wurde der östlich an das Renaissancegebäude angrenzende Teil des Gasthofes und der weiteren Quartiersbebauung abgerissen und ein viel größerer neuer Saal mit Anbau errichtet - damals der größte Saal in Meißen und Umgebung. Seit 1918 fanden hier auch Kinoaufführungen statt. Bis zum Abriss befand sich das Einfahrtstor zum Gasthof rechts neben der Freitreppe zum Renaissancegebäude. In dieser Fassade waren auch das Hauszeichen und die Gedenktafel für den Dichter De la Motte Fouque eingelassen, die erst seit 1899 am heutigen Ort angebracht sind.
Die Haustafel mit der Sonne enthält die Hausgeschichte in Kurzform,. Der Text lautet: "Erbaut 1561 / Nach dem Ich Sieben Zwantzig Jahr / Ein Aschen Hauff gewesen war / Hat mich durch Gottes Gnaden Hand / Nun wieder bracht in diesen Stand / Johann Jacobi Musicus / Instrumentalis / Anno Christi MDCCV / Dominus Protectio mea".
Der Renaissanceteil verfügt über sehr schöne profilierte Holzbalkendecken mit schräg verlaufenden Einschubbrettern - für Meißen eine sonst nicht übliche Form. In den Innenräumen haben sich sehr viele Detailausformungen mit Wandschränken, Nischen, Konsolen und Bogenstellungen erhalten. Auch der aus der Erbauungszeit (1561) stammende, allseitig abgewalmte Dachstuhl ist eine Besonderheit. Der oben erwähnte, im Jahre 1821 geschaffene, große Saal kann im dahinter angrenzenden Gebäudeteil, das vom Hochparterre des Vorderhauses über eine Treppe erreichbar ist, nachgewiesen werden. Hier ist die reiche Gestaltung der Innenwände noch partiell nachweisbar.

Entwicklung bis zur Wende:
Seit dem 11.10.1918 führte Max Krebs im großen Saal der Goldenen Sonne Kinoaufführungen unter der Bezeichnung "Kammerlichtspiele" durch. 1935 erfolgte der Umbau für die ausschließliche Kinonutzung. 1953 wurde das Kino nach einem Umbau unter dem Namen "Domtheater" eröffnet. Aus politischen Gründen benannte man das Kino im Dezember des gleichen Jahres in "Filmbühne der Werktätigen" um. Der Ausgang aus dem Kino erfolgte über das Renaissancegebäude in dem auch eine gastronomische Einrichtung betrieben wurde.
1988 musste der große Saal aus feuerpolizeilichen Gründen gesperrt werden. 1989 wurden dort noch Gerüste aufgestellt, die Arbeiten kamen aber nicht mehr zum Abschluss.

Entwicklung nach der Wende:
1991 erfolgte die Schließung des gesamten Kinos mit Studiokino und Kinocafé. Damals gehörte der gesamte Komplex der Kino GmbH i.A., (der ehemaligen Bezirkslichtspieldirektion).
1992 verkauft die Treuhand aus dem Immobilenbestand dieser GmbH für 1,5 Mio. DM 22 Kinos im Raum Dresden an zwei Betreiber eines Spielbetriebes. 1993 wurde ein Antrag auf Eröffnung eines Spielbetriebes ausgesetzt. Es kam wiederholt zu Problemen mit nicht beräumten Fäkalien und verstopften Leitungen. Im Juli 1993 wurde durch die Eigentümer ein Konzept vorgestellt aber nicht umgesetzt. Dieses umfasste die "Sonne" als Restaurant und Hotel und das angrenzende Kino als Kino und Antiquitätenhaus zu entwickeln. Durch mangelnden Bauunterhalt traten erste Schäden durch eindringendes Niederschlagswasser auf. Einer 1995 vom städtischen Denkmalamt erlassenen Sicherungsanordnung wurde rechtsanwaltlich begegnet, so dass sich bis 1997 Hausschwamm im Kino ausbreiten konnte. Auf Betreiben des städtischen Wirtschaftsförderers Klaus-Peter Jachmann konnte die Fa. Kieft und Politt als Erwerber, Bauherr und Kinobetreiber gewonnen werden. 1998 erfolgte der Verkauf. Am 14.10.1999 wurde für alle Gebäudeteile eine Baugenehmigung erteilt. Diese umfasste den Umbau des Kinos zu 4 Kinosälen sowie die statische Sicherung und Sanierung der Außenhülle aller Gebäude. Am 15.04.1999 wurden die Maßnahmen an den nicht vom Kino direkt genutzten Bauteilen abgestimmt und bestätigt. Leider erfolgten nur der Abbruch der Außentreppe vor dem Renaissanceportal und die Notsicherung des Daches mit Wellbitumenplatten. Eine nach der Flut 2002 ergangene Baumängelfeststellung mit Aufforderung zu Sicherungsmaßnahmen blieb ebenfalls unbeachtet.
Aufgrund seiner Wertigkeit in historischer als auch architektonischer Sicht hat dieses Gebäude durchaus das Potential den Theaterplatz wieder zu einem attraktiven Stadtteil und Stadtraum werden zu lassen.

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Theaterplatz 14

nach 1990

Theaterplatz 14

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