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Markt 6

Text: Antje Hainz - Architekturbüro Hainz & Hainz Meißen

Bürgerhaus mit Gussgewölbe aus dem 15. Jh.. Wesentliche Bauteile bis um 1600, drittes Obergeschoss aus dem 18. Jh., umfassend saniert ab 1991.
Auf Planungen zum Totalersatz Ende der achtziger Jahre folgten - 1990 beginnend - denkmalpflegerische Untersuchungen und die Sanierung. Erhalten blieben großflächig angelegte Wandmalereien (18. Jh.), eine Stabbohlenwand, profilierte Sandsteinkonsolen mit Blendbogenarchitekturen, aber auch Ausstattungen wie Treppengeländer aus dem 19. Jh..

Bildergalerie

Markt 6 Markt 6 (2015) Markt 6 (2015) Markt 6 (2015) Markt 6 Markt 6 Markt 6 Markt 6 Markt 6 Markt 6 Markt 6 Markt 6 Markt 6

Informationen

Geschichtliches, denkmalpflegerische Werte & Besonderheiten:
Die ca. 7 m schmale Parzelle dieses Hauses zeigt noch die ursprüngliche Breite der Flurstücke und Häuser der Marktumbauung aus der städtischen Gründungsphase um 1250.
Errichtet wurde das Gebäude wie die meisten Bürgerhäuser Meißens in mehreren Bauphasen. Die ältesten noch vorhandenen Spuren kennen wir aus dem hofseitigen Keller - einem Gussgewölbe, dass noch Bauformen des 15. Jh. zeigt. Dieser Kellerraum liegt etwa 10 m zurückgesetzt von der heutigen Markfront. Die ältesten Stadtansichten Meißens von 1558 und 1602 zeigen an dieser Stelle ein giebelständiges Haus, das in den späteren Überbauungen aufging.

Die Hausstruktur mit straßenseitigem Raum, mittig gelegener Küche und Treppe sowie hofseitiger Stube (im Obergeschoss in der Varianz mit straßenseitig 2 Räumen) zeigt wohl das älteste nachweisbare Schema früher bürgerstädtischer Grundrisse in Meißen. Die tiefgestaffelten Grundrisse bedingen die Ausbildung eines giebelständigen Daches. Typisch für diese Bauten ist auch die dreiachsige Fassade. Wesentliche Teile des heutigen Gebäudes entstanden bis um 1600. Die für diese Zeit typischen Profile der Fenstergewände sind im ersten und zweiten Obergeschoss erhalten. In dem jetzt öffentlich zugänglichen Erdgeschoss ist das Kreuzgewölbe der hinteren Stube erlebbar; davor durchquert man in einem etwas engeren Raum die ehemalige Schwarzküche des Hauses. Ein drittes Obergeschoss, das nur in der Fassaden steinern - sonst aus Fachwerkwänden gebildet ist - und ein hohes Steildach gehörten einer späteren Bauphase - dem 18. Jh. an.
In dieser Form ist das Haus bis heute erhalten - neben dem prächtigen Renaissancegebäude Markt 5 das höchste an der südlichen Marktfront. In seinem Inneren sind schön profilierte Sandsteinkonsolen mit Blendbogenarchitekturen erhalten.
In Bauuntersuchungen - beginnend vor 1990 - konnten großflächig angelegte Wandmalereien auf den historischen Wandputzen (u.a. Vorhangmalereien wohl aus dem 18.Jh.) und eine profilierte Stabbohlenwand (OG1, Südwand der Stube) gefunden und dokumentiert werden.
Ebenso handwerklich anspruchsvolle Raumausstattungen aus der Mitte des 19. Jh. wie Holztäfelungen, Bleiglasfenster, Treppengeländer, die zeigen, dass die wiederkehrenden Anpassungen des Hauses an zeitgemäße Bedürfnisse in handwerklich und ästhetisch anspruchsvoller Qualität ausgeführt worden sind.

Sonstige geschichtliche Besonderheiten:
Im Verzeichnis der Kriegsschäden des Schwedeneinfalls am 06. und 07. Juni 1637, der mit großen Verwüstungen in der Stadt einherging, ist das Haus des damaligen Eigentümers Andreas Müller unter den "Wüst und eingerissenen" benannt; "… ist ausgestorben…seind die Erben um das Ihrige gekommen."

Entwicklung bis zur Wende:
Bis 1986 waren EG und 1. OG als Bäckerei, die weiteren Obergeschosse als Wohnung genutzt. Seiten- und Hintergebäude aus dem 18. Jh. mit romantischem Laubengang waren bereits stark verfallen. Studien zur Modernisierung und Instandsetzung lagen 1987 vor (damals REKO-Planung genannt -  zusammen mit Markt 5 als Café und Restaurant mit darüberliegenden Wohnungen; Büro des Stadtarchitekten+ KBM). Es folgten Planungen zum Totalersatz durch die von der Bauakademie der DDR entwickelte LPC-Bauweise. Das aus kleinformatigen Betonplatten bestehende Wandbausystem, zu dem auch Betonbalken für Dachkonstruktionen gehörten, war für kleinteilige Lückenschließungen erdacht worden; zur Anwendung gelangte es in Meißen in dem an die historische Altstadt angrenzenden Quartier zwischen Görnischer Gasse und Neugasse. Bauvorbereitende Untersuchungen, die vor einem solch starken Eingriff in die historischen Strukturen notwendig waren, wurden bis 1989 angestellt (KBM). U.a. war die statische Sicherheit der Nachbargebäude zu gewährleisten, was sich als komplizierte Aufgabe erwies, da die Trennwände jeweils gemeinsame waren und unterschiedlichste Strukturen aufwiesen.

Entwicklung nach der Wende:
Eine denkmalpflegerische Zielstellung von 1983 (ADM) konnte 1991 mit ersten Mitteln, die der Stadtsanierung zur Verfügung standen, vertieft und um wesentliche Aspekte zum historischen Baubestand ergänzt werden (s.o. Malereien, Stabbohlenwand, Ausstattungen 19.Jh. betr.)
Die mit mächtigen Holzquerschnitten ausgebildete Sparrendachkonstruktion, deren Tiefe beachtliche 12,5 m betrug, war eine Besonderheit. Die dreigeschossige Konstruktion mit liegendem Stuhl und einer mittigen Hängesäule aus dem 18. Jh. (Dendrodatierung ist nicht bekannt) war vollständig erhalten und ohne sekundäre Zutaten überkommen. Wie fast alle Altstadtdächer war sie vorwiegend wegen mangelnder Baupflege reparaturbedürftig (ihr empfindlichster Punkt - die Einbindung des Mittelbinders in die über dem Grundriss frei tragende Fußschwelle - war um ca. 0,5 m abgesunken und durch Undichtheit der Dachhaut zusätzlich geschädigt). Mehrere andere Dächer dieser Bauart waren wenige Jahre zuvor verlorengegangen oder so nicht mehr erlebbar. Z.B. war eine gleichartige Dachkonstruktion der Marktgasse 1 abgebrochen worden; die von Markt 3 und Markt 4 waren durch spätere Veränderungen gestört bzw. durch Dachausbauten nicht mehr sichtbar.
Der Abbruch des mächtigen Daches erfolgte trotz der "Wende" am Beginn der 90-er Jahre; Das darüber errichtete Notdach war 1991 geplant worden (KBM).

Nach Privatisierung des Grundstückes konnte das Dach wieder entstehen und mit einer umfassenden Modernisierung in den 90-er Jahren gewann das Haus eine halböffentliche Nutzung als Hotel unter Wahrung der historischen Baustrukturen und Teilen der historischen Bauausstattung (s.o.)

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